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Kornelemente seit 1903
Original Saatgut

Neue Kühlhalle für Saatzucht

an Landwirtschaftlicher Fachschule Edelhof eröffnet

LR Teschl-Hofmeister: Wertvoller Beitrag zur Erhaltung und Weiterentwicklung der genetischen Sortenvielfalt bei Getreide 

Edelhof (5.11.2020) Nach rund einem Jahr Bauzeit ist die neue Kühlhalle der Saatzucht der Landwirtschaftlichen Fachschule (LFS) Edelhof in Betrieb gegangen. Auf über 300 Quadratmetern kann nun das wertvolle Zucht- und Vermehrungsmaterial bei konstanter Temperatur ohne den Einsatz von Chemie bis zu zehn Jahre gelagert werden.
 „Die neue Kühlhalle ist ein wertvoller Beitrag zur Erhaltung und Weiterentwicklung der genetischen Sortenvielfalt bei Getreide. Denn die zeitgemäße Infrastruktur bildet den Grundstein für die innovative wissenschaftliche Saatzucht am Edelhof“, betont Bildungs-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister. „Bei der Züchtung von klimafitten und regional angepassten Getreidesorten konnte man schon große Erfolge erzielen. Erst voriges Jahr wurden gleich fünf neue Sorten zugelassen, das ist eine große Anerkennung der intensiven Forschungsarbeit“, so Teschl-Hofmeister.

 „Der Neubau der Kühlhalle war notwendig, weil die Züchtungsaktivitäten durch die neue Kooperation mit der Saatzucht Edelhof GmbH stark zugenommen haben und wir an die Kapazitätsgrenzen gestoßen sind. Einerseits hat die Forschungstätigkeit rund um die an Klimaerwärmung angepassten Getreidesorten zugenommen. Andererseits hat die Anzahl der Wertprüfungskandidaten auf nationaler und auch internationaler Ebene deutlich zugenommen“, betont Saatzucht-Leiterin Elisabeth Zechner. „Mit der temperierten Kühlung bleibt die Keimfähigkeit des Zucht- oder Vermehrungsmaterials bis zehn Jahre erhalten. Ernteausfälle können somit problemlos ausgeglichen werden. Zudem treten durch die konstante Temperatur Schädlinge wie die Kornmotte oder der Kornkäfer nicht auf und der Einsatz von Pestiziden ist somit nicht notwendig“, so Saatzucht-Betriebsleiter Hubert Hofbauer.

Die Baukosten mit einem Volumen von 480.000 Euro wurden vom Verein zur Förderung einer nachhaltigen und regionalen Pflanzenzüchtung getragen, mit der die Saatzucht Edelhof kooperiert. Neben der Kühlhalle umfasst der Neubau auch eine Einstellhalle für Geräte und Maschinen. Der Strom für die Kühltechnik wird mit einer am Dach montierten Fotovoltaikanlage erzeugt.

Der Saatzuchtbetrieb am Edelhof, einer der ältesten Getreidezuchtbetriebe Österreichs, wurde 1903 gegründet und kann somit auf eine über hundert Jahre alte Tradition verweisen. Die züchterische Arbeit wurde kontinuierlich gesteigert, sodass die Saatzucht Edelhof heute international anerkannt ist mit Sortenzulassungen und Vermarktung von der Türkei über Russland bis Kanada und von Serbien bis Finnland. Ausschließlich am Edelhof werden österreichische Neuzüchtungen von Roggen, Sommergerste und Hafer mit hoher Qualität durchgeführt.






Getreidezüchter ÖKR Ing. Konrad Schulmeister verstorben

 

Konrad Schulmeister wurde am 15. November 1933 in Blumau bei Etzen im österreichischen Waldviertel geboren.
Nach dem Besuch der Grundschule hatte Schulmeister erstmalig während der Ausbildung in der Landwirtschaftlichen Fachschule Edelhof bei Zwettl/Niederösterreich Kontakt mit der Getreidezüchtung.

Im Jahre 1951 wurde er als Hilfskraft unter dem früheren Saatzuchtleiter und Pflanzenbaulehrer bzw. späteren Schuldirektor Dipl.-Ing. Johann Boden angestellt. 

Ab dem Jahre 1954 war Schulmeister als Assistent in der Saatzucht und als Lehrkraft in der Landwirtschaftlichen Fachschule Edelhof tätig.
1980 wurde ihm die Standesbezeichnung „Ingenieur“ verliehen. Von 1979 bis zum Übertritt in den Ruhestand 1997 war Schulmeister verantwortlicher Leiter der Saatzucht Edelhof. Auch danach blieb er der Züchtung durch seine Tätigkeit im Verein zur Förderung der Mohn- und Getreidezüchtung treu erhalten. Bis 2009 beschäftigte sich Konrad Schulmeister weiterhin mit züchterischen Projekten. Mit 76 Jahren nahm er schweren Herzens Abschied von seinem Edelhof, wohlweislich zufrieden, den Fortbestand der Züchtung in guten Händen zu wissen. 

 Schulmeister begann 1954 als Autodidakt und mit bescheidensten Mitteln in der Landwirtschaftlichen Fachschule Edelhof mit der Erhaltungszüchtung der Landsorte „Edelhofer Winterroggen“. Mit einer den Bewohnern des Waldviertels eigenen Beharrlichkeit entwickelte er daraus in beeindruckender Weise die heutige Saatzucht Edelhof. Auf Winterroggen- und Haferzüchtung folgten ab 1973 die Sommergersten-, 1977 die Weizen- und ab 1990 eine Wintergerstenzüchtung. Auch nahm Schulmeister den Graumohn als Spezialität des Waldviertels in die züchterische Arbeit auf.

Weiters intensivierte Schulmeister die Zusammenarbeit mit dem VLG, dem Verband Ländlicher Genossenschaften (heute RWA – Raiffeisen Ware Austria) und mit zahlreichen ausländischen Firmen als Saatgut- und Sortenvertriebspartner. Um Zeit in der Züchtung einzusparen, wurden erstmals 1993 Winter-Zwischengenerationen in Chile beim Vermehrungsbetrieb Erik von Baer angelegt. Im selben Jahr wurde in Zwettl der Verein zur Förderung der Mohn- und Getreidezüchtung gegründet. Unter Schulmeister als Geschäftsführer und späteren Obmann entwickelte sich dieser zu einem wichtigen Projektträger für Investitions-, Forschungs- und Entwicklungsprojekte, dem in seiner Verantwortung von nationalen und EU-Förderungsgebern 16 F&E-Projekte finanziert wurden. Die Themen reichten von „Sehr winterfester Populationsroggen für die Hochregionen in Österreich“ über die „Kompetente Fachkraft in der Pflanzenzüchtungsbranche – Labor, statistische Züchtungs- und Versuchsauswertung, FEMtech“ und „Bioethanol – Energie aus Getreide“ oder seinem absoluten Lieblingsprojekt „2/3 Saatgutbedarf – 2/3 Züchtungszeit“ im Winterweizen bis hin zu „Hybridroggen – Züchtung“.

Den über zwei Jahrzehnte gehegten Wunsch, für die Saatzuchtaktivitäten am Edelhof ein eigenes Haus zu bewirtschaften, konnte sich Schulmeister mit der Einweihung 1996 erfüllen. Seither dient ein stilecht gebauter Waldviertler Dreiseitshof der Saatzucht Edelhof und dem Verein zur Förderung der Mohn- und Getreidezüchtung (heute zur Förderung einer nachhaltigen und regionalen Pflanzenzüchtung) als Arbeitsstätte. Die Verleihung des Titels „Ökonomierat“ 1998 war für Konrad eine große Anerkennung für seine züchterische Tätigkeit. Er hat einen wesentlichen Beitrag zum Wohle der österreichischen Landwirtschaft geleistet.

Unter der Koordination von Konrad Schulmeister in Zusammenarbeit mit der RWA konnte 2003 das 100jährige Saatzucht-Jubiläum gefeiert werden. Stolz war er auch auf die Ernennung zum Ehrenmitglied des Edelhofer Absolventenverbandes im Jahre 2004.

Viele Neuzulassungen fallen in den Zuständigkeitsbereich von Konrad Schulmeister. In dieser Zeit erfolgte eine Erstzulassung in Österreich sowie danach auch in weiteren Ländern:

Winterroggen: EHO-Kurz (1965 AT, CH, FR, HR), Elect (1992 AT, CH, SI)

Sommerhafer: Edo (1987 AT, CH), Eberhard (1989 AT, CH, LU, HU), Explorer (1989 AT, HR, LU), Euro (1991 AT, SI, SK), Expander (1992 AT, CH, DE, HR, HU, LU, SI, SK), Efendi (1995 AT, CH), Ewald (1997 AT)

Sommergerste: Ebra (1984 AT), Elke (1986 AT), Erika (1988 AT), Esta (1989 AT), Extra (1990 AT, HR), Effekta (1991 AT, HR), Elisa (1993 AT, CH, HU, LU, SI), Evelyn (1994 DK)

Sommerweizen: Erwin (1990 AT), Egon (1995 SI)

Winterweizen: Exquisit (1995 AT), Erik (1996 HU), Edison (2001 AT, HR)

Graumohn: Edel-Rot (1990 AT), Edel-Weiß (1990 AT)

 

Darüber hinaus legte Schulmeister die Basis für die Selektion vieler weiterer Sorten in allen am Edelhof bearbeiteten Getreidearten. Von den Anfangszeiten, in denen er nahezu alleine am Feld und in den Büchern tätig war, entwickelte sich der Personalstand zu sechs MitarbeiterInnen bis zu seiner Pensionierung. War die Saatzucht am Edelhof mit seinem Eintreten in die Züchtung in den 1950iger Jahren ein Zuchtbetrieb für die Region, wurde sie durch das Wirken von ÖKR Konrad Schulmeister zu einem international anerkannten Getreidezuchtbetrieb ausgebaut.

Konrad ging zwar in Pension, war aber bis zu seinem Lebensabend immer mit der Edelhofer Saatzucht als Züchter verbunden.

Das Team der Saatzucht Edelhof wird seinem Mentor und großen Vorbild Konrad Schulmeister
immer ein ehrendes Andenken bewahren.